{"id":1032,"date":"2009-05-31T17:39:31","date_gmt":"2009-05-31T17:39:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ullarike.de\/?p=1032"},"modified":"2011-05-03T17:41:39","modified_gmt":"2011-05-03T17:41:39","slug":"fruhstuck-am-nachmittag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ullarike.de\/?p=1032","title":{"rendered":"Fr\u00fchst\u00fcck am Nachmittag"},"content":{"rendered":"<p>Der Prosecco schmeckt nach Pfirsich. Ich mag Prosecco noch nicht mal  besonders, wenn er einfach nur nach Prosecco schmeckt. Selbst das h\u00fcbsch  angerichtete Fr\u00fchst\u00fcck auf meinem Teller kann mich nicht begeistern.  Ich hatte es wegen der Blinis bestellt. Die  hatten damals in Kopenhagen  so lecker geschmeckt. Doch hier verlieren sich die drei kleinen  Miniausgaben unter all den erlesenen Sachen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.ullarike.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/fruehstueck_am_nachmittag.jpg\" alt=\"Fr\u00fchst\u00fcck am Nachmittag\" title=\"Fr\u00fchst\u00fcck am Nachmittag\" width=\"300\" height=\"172\" class=\"alignnone size-full wp-image-1033\" \/><\/p>\n<p>Und nun? Ich grinse den Teller an und  ergebe mich. Die Bedienung ist nett, die Sonne strahlt und so schlecht  schmecken Lachs, Schinken, Kaviar und K\u00e4se schlie\u00dflich auch nicht. Ich  genie\u00dfe mein Fr\u00fchst\u00fcck im Literaturhauscaf\u00e9 nachmittags halb drei.<\/p>\n<p>Um mich herum mit gro\u00dfem Sicherheitsabstand  (wie das unter Intelektuellen halt so \u00fcblich ist) sitzen drei  Single-M\u00e4nner in ihre Lekt\u00fcre vertieft. Alle drei mit Sicherheit \u00e4lter  als mein Vater.<\/p>\n<p><strong>Nummer eins:<\/strong> ertr\u00e4nkt sich im Whiskyglas  und t\u00e4tschelt dabei traurig seinem noch trauriger dreinblickenden Hund  den Kopf, das dicke Buch bleibt unangetastet<\/p>\n<p><strong>Nummer zwei:<\/strong> sitzt alleine am  Acht-Personen-Tisch, um Platz f\u00fcr Fr\u00fchst\u00fcck und seine S\u00fcddeutsche zu  haben, volles Haar (Topffrisur), wei\u00dfes T-Shirt unterm hellblauem Hemd,  dr\u00fcber ein dunkelblauer Pullunder und eine beige Windjacke (es ist  Sommer!), Jeans, Wildlederslipper und Goldrandbrille, l\u00e4sst sich seine  Essensreste einpacken<\/p>\n<p><strong>Nummer drei:<\/strong> ein Nein-ich-esse-nicht-mehr-bei-Mutti-Typ, N\u00fcrnberger Nachrichten zusammengerollt in der Jackentasche<\/p>\n<p><strong>Nummer vier:<\/strong> noch so ein Muttis\u00f6hnchen &#8230; kommt gerade erst rein &#8230; mit Mutti im Schlepptau \u00a0 ;o)<\/p>\n<p>Mein Blick auf die M\u00e4nnerwelt ist heute nicht besonders gn\u00e4dig &#8230;<\/p>\n<p>Drau\u00dfen sind die gut gelaunten Club-Fans in  Richtung Stadion aufgebrochen. Relegationsr\u00fcckspiel. M\u00fcsste gegen  Cottbus zu machen sein. Aber soll ich wirklich auf den Club halten?  Irgenwie steckt der Klinkerlehrling noch in mir und au\u00dferdem bin ich  doch jetzt F\u00fcrther. \u00a0 ;o)<\/p>\n<p>Langsam bev\u00f6lkern sich die Tische unterm  Sonnendach wieder. An einem sitzen diese laut diskutierenden Frauen mit  ihren stillen M\u00e4nnlein. Dort sitzt ein sch\u00fcchternes, frisch verliebtes  P\u00e4rchen, das schon jetzt spie\u00dfig wirkt. Und an dem Tisch dort dr\u00fcben  l\u00fcmmeln sich drei schnuckelige Motorradfahrer, die der Kellnerin in den  Ausschnitt und auf ihren Hintern schauen und ein Bier bestellen. Oha &#8211;  ich bleibe heute lieber beim M\u00e4nnerfernstudium. \u00a0 ;o)<\/p>\n<p>Schon wieder etwas vers\u00f6hnlicher gestimmt  pilgere ich nach dem Fr\u00fchst\u00fcck in den gegen\u00fcberliegenden Museumsshop.  Und dort wartet eine Entdeckung nach der anderen auf mich &#8230; das Buch  &#8222;Friedrich und Dietrich&#8220; von Johannes Volkmann werde ich nach Hause  entf\u00fchren und dort wie empfohlen zerrei\u00dfen und zerschneiden.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg in der U-Bahn sitze ich  direkt hinter der Fahrerkabine und lasse meine Gedanken vor sich hin  ruckeln. Den Fahrerwechsel nehme ich nur nebenbei wahr. Doch als die  Bahn anf\u00e4hrt, h\u00f6re ich den Fahrer durch die T\u00fcre hindurch fr\u00f6hlich vor  sich hinpfeifen. Auch die Oma neben mir schaut grinsend zur T\u00fcr. Unsere  Blicke treffen sich &#8230; die gute Laune springt \u00fcber. \u00a0 :o)<\/p>\n<p>Pfiffige Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nIvy<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Prosecco schmeckt nach Pfirsich. Ich mag Prosecco noch nicht mal besonders, wenn er einfach nur nach Prosecco schmeckt. Selbst das h\u00fcbsch angerichtete Fr\u00fchst\u00fcck auf meinem Teller kann mich nicht begeistern. 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