{"id":695,"date":"2007-03-28T15:54:59","date_gmt":"2007-03-28T15:54:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ullarike.de\/?p=695"},"modified":"2011-09-25T08:13:33","modified_gmt":"2011-09-25T08:13:33","slug":"vom-schonen-schmetterling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ullarike.de\/?p=695","title":{"rendered":"Vom sch\u00f6nen Schmetterling"},"content":{"rendered":"<p>Als im Fr\u00fchling die Sonne vom Himmel lachte und mit ihren warmen  Strahlen die Blumen und B\u00e4ume zum Erbl\u00fchen brachte, schl\u00fcpfte ein  Schmetterling aus seinem Kokon. Noch etwas unsicher spreizte er seine  beiden Fl\u00fcgel und flog in dem Baum umher, den er sich im vergangenen  Jahr f\u00fcr seine Verwandlung ausgesucht hatte, als er noch eine kleine  Raupe gewesen war. Bald jedoch wurde er mutiger und flog zu einem  nahegelegenen See, um sich zu erfrischen.<\/p>\n<p>Dort auf der Wasseroberfl\u00e4che erblickte er  sein Spiegelbild und war tief bewegt von der Sch\u00f6nheit, mit der ihn Gott  gesegnet hatte. Er dachte bei sich: Ich will nicht l\u00e4nger auf diesem  Baum bleiben. Auf einer Wiese inmitten von Blumen will ich leben, und  die sollen mindestens so sch\u00f6n sein wie ich.<\/p>\n<p>Also flog er los und machte sich auf die  Suche. Er gelangte zu einer gro\u00dfen Wiese, auf der unz\u00e4hlige Blumen in  allen erdenklichen Farben und Formen standen. Sie alle begr\u00fc\u00dften den  jungen Schmetterling freudig, indem sie ihm ihre farbenfrohen K\u00f6pfe  entgegenstreckten. Doch es gefiel ihm keine, und er ignorierte sie alle.<\/p>\n<p>Er durchflog einen finsteren Wald und  gelangte zu einer Lichtung, auf der ein Mensch in einem einfachen  kleinen H\u00e4uschen wohnte. Im angrenzenden Garten wuchsen allerlei Blumen,  die der Mensch m\u00fchsam gepflanzt hatte und mit aller Liebe und Hingabe  hegte und pflegte. Doch auch deren Sch\u00f6nheit r\u00fchrten den Schmetterling  nicht, und weiter flog er in die anbrechende Nacht.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich lie\u00df er sich auf einem Acker  nieder, weil er m\u00fcde war. Fr\u00fch am n\u00e4chsten Morgen brach er auf und kam  w\u00e4hrend des Tages \u00fcber unz\u00e4hlige Wiesen mit noch sch\u00f6neren, noch  bunteren Blumen, die ihn wiederum alle freundlich einladend gr\u00fc\u00dften.  Doch auch sie erschienen ihm bestenfalls mittelm\u00e4\u00dfig und keinesfalls gut  genug f\u00fcr ihn. So verbrachte er auch die n\u00e4chste Nacht nicht auf einer  Wiese inmitten von Blumen, sondern diesmal unter dem Dach eines  Bauernhofes, unter das er sich vor einem Unwetter gefl\u00fcchtet hatte.<\/p>\n<p>So verging Tag um Tag, Woche um Woche.  Mittlerweile war es Sommer geworden. Die Sonne brannte hei\u00df vom Himmel,  und die ersten Wiesen mitsamt ihren Blumen vertrockneten in der Hitze.  Jedoch erwachten nun andere Blumen, die gerade auf diese Jahreszeit  gewartet hatten, bl\u00fchten und erleuchteten mit ihren Farben das Land.  Doch auch von denen schien dem Schmetterling keine w\u00fcrdig genug, Er zog  es weiterhin vor, auf Feldern, Felsen oder an Hausw\u00e4nden zu ruhen und  n\u00e4chtigen. Keinesfalls wollte er bei einer Blume ruhen, die seiner  eigenen Sch\u00f6nheit nicht w\u00fcrdig war.<\/p>\n<p>Der Herbst l\u00f6ste den Sommer ab, und in den  Wiesen trugen die Obstb\u00e4ume ihre reichen schweren Fr\u00fcchte. Die Menschen  hatten ihre Freude daran. W\u00e4hrend die einen mit der Ernte des Obstes  besch\u00e4ftigt waren, m\u00e4hten die anderen die Wiesen ab, um Heu f\u00fcr das Vieh  in den St\u00e4llen der Bauernh\u00f6fe zu machen. Dem Schmetterling jedoch  gefielen nicht einmal die Obstb\u00e4ume. &#8222;Ich habe als kleine mickerige  Raupe auf einem Baum gelebt, aber als Schmetterling ist ein solcher  Wohnort meiner nicht w\u00fcrdig.&#8220;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich brach der Winter mit eisigem  Nordwind \u00fcber das Land herein und bedeckte die Erde und alles, was noch  auf ihr bl\u00fchte, mit einer dicken Schneedecke. Die Fl\u00fcgel des sch\u00f6nen  Schmetterlings gefroren, und er st\u00fcrzte hinab in den kalten Schnee und  erfror. Noch im Tode leuchtete seine Sch\u00f6nheit aus der wei\u00dfen  Schneedecke hervor.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-696\" title=\"Schmetterling\" src=\"https:\/\/www.ullarike.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/schmetterling.jpg\" alt=\"Schmetterling\" width=\"300\" height=\"138\" \/><\/p>\n<p>Einige Menschen gingen in der N\u00e4he des toten Schmetterlings  spazieren. Einer sah ihn und dachte bei sich, es w\u00e4re eine Blume. Er  sprach zu den anderen: &#8222;Seht mal, da hat doch tats\u00e4chlich eine Blume den  Wintereinbruch \u00fcberlebt. Sieht sie nicht sch\u00f6n aus, wie sie da durch  den Schnee und das Eis hindurch bl\u00fcht?&#8220; &#8211; &#8222;Ja&#8220;, lachten die anderen,  &#8222;aber nicht mehr lange!&#8220;<\/p>\n<p><em>Ausgedacht von Thomas. Er schreibt dazu:  &#8222;Ich schicke euch ein von mir erdachtes M\u00e4rchen zu und hoffe, ihr habt  Freude daran. Ich bin Erwachsener und habe mir das M\u00e4rchen 2004  ausgedacht, als ich mich w\u00e4hrend eines Spaziergangs auf eine Wiese  gesetzt habe und mehrere Schmetterlinge auf Kopfh\u00f6he um mich  herumgeschwirrt sind.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Hab ich in der Blechkiste gefunden.<br \/>\nRike<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als im Fr\u00fchling die Sonne vom Himmel lachte und mit ihren warmen Strahlen die Blumen und B\u00e4ume zum Erbl\u00fchen brachte, schl\u00fcpfte ein Schmetterling aus seinem Kokon. 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