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Mein erstes Mal

Ich fühlte mich wie ein Teenager. Aufgeregt wie vor meiner ersten mündlichen Prüfung. Ich war hibbelig. Mir war schlecht. Ich musste ständig aufs Klo. Und alles wegen dem Vorspiel.

Und dann war alles ganz schnell vorbei.

Doch ich hab es getan. Zum allersersten Mal.
Ich hab vor völlig fremden Menschen Klavier gespielt.

Ich gehe zur Klavierschule. Jetzt schon das dritte Jahr. Und ich versuche mich in Fingerfertigkeiten beim Spiel mit den Tasten. Ich versuche es zumindest. Manchmal gelingt und klingt es schon ganz passabel. Manchmal ist es auch einfach nur zum Ausderhautfahren. Da hat man nun zehn von diesen Fingern und soll sie gleichzeitig kontrollieren. Und das soll dann auch noch locker und leicht aussehen. Tanne weiss, wie die Tasten dann machmal zu leiden haben …   ;o)

Doch zurück zum Vorspiel: Meine Klavierlehrerin (die beste, die ich kenne!) plante ein öffentliches Schülervorspiel zum Schuljahresabschluss. All ihre Schüler sollten zeigen, was sie gelernt hatten. Ich auch. Und glaub mir: ich war ein schlechter Schüler …   :o(
Doch nun übte und übte ich. Als Testpublikum missbrauchte ich meine Nachbarn.

Letzten Mittwoch war es dann soweit: Alle Eltern und Geschwister, zum Teil auch die Grosseltern sassen erwartungsvoll im Klassenzimmer. Ich war so alt wie sie (also wie die Eltern). Die jüngste Klaviervirtuosin war sechs jahre alt, die zweitälteste sechszehn, ja … und dann war da noch ich. Dreiunddreissig.

Solange die anderen spielten, fotografierte ich. Und war durch diese Ablenkung doch relativ entspannt. Doch dann … dann stand mein Name auf der Programmliste. Zum Glück sass ich nicht alleine vor den vielen Tasten. Meine Lehrerin spielte mit. Das heisst: Sie spielte den beeindruckenden Teil mit den vielen Noten auf dem Papier und ich spielte gleichzeitig die andere Seite vom Notenheft. Vier Hände gleichzeitig.

Mir klopfte das Herz bis zum Hals. Und ich weiss heute noch nicht, wie es geklungen hat. Beim ersten Stück erinnere ich mich, dass wir mittendrin noch mal neu ansetzten. Beim zweiten Stück habe ich ein paar Noten für die linke Hand einfach unterschlagen. Und das dritte Stück … keine Ahnung. Doch meine Lehrerin meinte hinterher, dass sie zwar bemerkt hätte, wie aufgeregt ich war, doch es wäre ganz gut gelaufen. Und ich habe auch Applaus bekommen. Ganz ohne Familienbonus …   :o)

Ich bin froh, dass ich mich getraut habe.
Auch wenn es nicht perfekt war.
Oder gerade deshalb.

 

Rike

Piano

Musik beschreibt das Leben ohne Worte.

 

ich liege faul auf meinem sofa.
richtig entspannt bin ich nicht.
seit wochen verschiebe ich meinen frühjahrsputz.
witzig. bald haben wir herbst.

ok. auch drei tage später geht es mir nicht besser. irgendwie macht sich die wohnung nicht von selber. das einzige, was ich „schaffe“, ist wäsche waschen. aber auch das täte ich wohl nicht, wenn nacktgehen eine modevariante wäre oder ich einen 50 m³ großen, gefüllten kleiderschrank hätte. was zum anziehen hätte ich dann wohl auch nicht. aber das nur nebenher.

ich brauche einen mann.
habe ich nicht neulich im spiegel gelesen, dass männer immer häufiger die besseren hausfrauen wären?! und der spiegel ist seriös, dem glaube ich.

es hilft alles nicht mehr. ich muss.
habe alle verabredungen abgesagt (klingt gut, oder?!).

so.
nochmal: so!
so!!!!!!

………… erstmal einen kaffee trinken.
ach du schande. habe gar keinen mehr im haus.
wusel schnell noch mal in den supermarkt um die ecke ……..

5 h später.
ziehe erst einmal putzklamotten an.
krieche dabei fast in meinen kleiderschrank.
kann ja nicht mit guten klamotten die viiiiiiiiiiiielen dinge tun, die ich mir für diese aktion vorgenommen habe.

oh, was ist das denn für ein kleid. das hab ich doch schon ewig gesucht!
passt das überhaupt noch?!
anprobieren …..
ja, doch.
ganz passabel.
ok, mit zwei, drei kilo weniger wäre ich wohl noch eher ein renner.
habe doch in 4 wochen mein klassentreffen….
oder hole ich mir doch lieber was neues ……
kann mich ja in den nächsten wochen mal wieder im fitnessstudio ;-) blicken lassen.
welche schuhe hätte ich denn so als alternative?
keine.

sitze im chaos meines gesamten inhalts meines kleiderschrankes inklusive schuhschrank.
habe fast alles anprobiert.
mein komplettes schlafzimmer ist vermüllt.
bin das erste mal fertig.
scheiße.
wollte aufräumen und jetzt sieht es schlimmer aus als zuvor.

frage mich gerade, wie die leute drauf sind, die jeden tag durch ihre wohnung wirbeln oder gar putzsüchtig sind.

ich rauche.

putzen wär besser.
zumindest für meine wohnung.

gut, helga (das bin ich).
jetzt darfst du eine rauchen. und dann gibt es ENDGÜLTIG keine ausrede mehr.

stelle fest, dass ich oft mit mir rede. auch laut.
ich könnte musik anmachen.
sport geht ja auch leichter mit musik.

mühsam quäle ich mich aus meinem wäscheberg.
schade eigentlich: es war so weich und gemütlich.

ein sicherer griff: südamerikanische rhythmen.
ja, das passt.
samba!

hossa!

ohlala!

wie lange bin ich eigentlich schon single?!
zu lange!
eindeutig!!

aber stop!
ich tue jetzt putzen.

die musik ist dröhnend laut, ich singe noch lauter mit. greife zur bürste und beginne meine putzerei in der küche. es ist das kleinste zimmer. mit konkreten aufgaben, die ohne große verrenkungen zu erledigen sind.

stelle fest, dass ich ungeschützt aktiv bin: habe keine gummihandschuhe an.
beruhige mich aber wieder schnell: ich brauche das gefühl, will spüren was ich mache.
bin erschrocken, in welche richtung meine gedanken so kreisen.

hüpfe singend zum cd-player und wechsle die musikrichtung.
ah. was ungefährliches: ein mix aus allerlei.

versuche mich weiter zu motivieren.
bei klängen aus den 80igern recht einfach.
kenne jede zeile und singe begeistert mit.
irgendwie ein selbstläufer: das putzen, wischen …. wird zur nebenbeschäftigung.
meine wohnung wird zur bühne.

und meine putzutensilien verwandeln sich in bühneninventar.
das publikum besteht aus meinem spiegelbild und meinen beiden wellensittichen, die total verschreckt in der ecke ihres käfigs kauern. bin mir inzwischen nicht mehr sicher, ob das an der lautstärke der musik oder an meinen unkoordinierten bewegungen, die irgendwas mit putzen zu tun haben sollen, liegt. bin aber schon zu begeistert, zu motiviert … kann nicht mehr aufhören. PUTZEN KANN SO SCHÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖN SEIN!!

ich greife überschwenglich zum staubsauger! „komm her! saug!“
in diesem zusammenhang taucht ganz kurz der gedanke auf, dass ich letzte woche meinen termin in der volkshochschule verschlafen habe. schäme mich spontan, da ich französisch eigentlich nur lernen wollte, weil es so schön klingt und man damit ja vielleicht „mann“ beeindrucken könnte ….. aber heute ist alles egal.

ich habe meine hausfrauliche seite entdeckt und lebe sie energisch aus! her mit dem staubsauger. ich tanze durch die wohnung krieche in jede ecke. und bin dabei der star der show! jede grazile bewegung meines körpers ist ästhetik pur und stimmt in jeder nuance mit der musik überein …… darf nur nicht am spiegel vorbeisaugen …. was sich als ziemlich schwierig erweist. er ist groß, breit ….

ein letzter großer staubflusen flattert vor mir auf und ab.
langsam (die cd spielt gerade „miracle of love“ von den eurythmics) bewege ich mich hüftschwingend auf den übeltäter zu. „kommer her DU, du flusen!“
ups!
ich sauge und er kommt.

mache den staubsauger aus.
und denke erstmal nach.
mechanik ist einfach.
gefühle nicht.
brauche einen kaffee.
eine zigarette.
und bin traurig.
bin einsam.
und der staubflusen ist schuld.
heißt ja auch DER staubflusen.

männer sind sowieso doof.
sind rationaler, vernünftiger, nehmen vieles einfach nur hin, machen sich nicht so viele gedanken.
und wollen mich nicht.
toll.
hab ich eigentlich noch was süßes im haus?

der morgen danach.
heute ist sonntag.
der perfekte tag zum putzen.
tschaka!!!!!!!!!!!!!!!!

erstmal mit ner freundin telefonieren.
heute kostet es nichts……

sonntag abende sind ja vom prinzip her schon ziemlich unangenehm: die arbeitswoche steht bevor. das fernsehprogramm lässt zu wünschen übrig …. also was solls. werde heute die angefangenen reste von gestern beseitigen.
musik an, helga legt los!
oder auch nicht.
die richtige stimmung will nicht kommen.

aber so ist es immer: man muss den moment genau erkennen, erfühlen, der einem sagt: JETZT bist du bereit und willig und fähig, deinen haushalt zu beherrschen! wenn dieser kurze moment entwischt, ohne dass man aktiv wurde, ist alles verloren und man muss warten. und manchmal eben ziemlich lange.

ein langsamer, sex angehauchter titel schwebt durch den raum.
hm.
kapitulation?
nein.
muss abtrocknen.
mach ich nicht gerne.
habe ich das eigentlich schon erwähnt?!
nehme das tuch lasziv lächelnd vom haken.
nein, mein süßes abtrocktuch – du luder du!
heute benutze ich DICH!

ziehe unsichtbare kreise in der küche, mit dem tuche wedelnd natürlich. nähere mich dabei dem geschirrberg vorsichtig an. setze sogar mein bein auf den küchstuhl und gurre den refrain des liedes förmlich. dummerweise kommt mir in dem moment meine glasvase (in der übrigens nur dann blumen sind, wenn meine lieben eltern mir welche mitbringen) in den weg.

jetzt hatte ich eine glasvase.
bin frustiert und habe nun wirklich keine lust mehr zum putzen.
ich ziehe meine latschen an, damit ich mich an den scherben nicht auch noch verletze. ich leg mich jetzt auf die couch und ruhe mich aus.
fenster putze ich dann beim nächsten mal….

helga

 

PS: ich habe das alles nach einem telefonat mit meiner einen besten freundin augeschrieben. auf ihren rat hin. und ich motiviere mich wirklich so zum putzen und ich habe wirklich zwei wellensittiche. sie lieben es aber, wenn ich so einen zirkus mache. und im gegensatz zu mir, flippen sie IMMER aus, wenn der staubsauger läuft. und dann fängt bei mir nämlich meist erst der tanzende wahnsinn an ;-) !!!!!!!!!!!!!

ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich zwei wochen lang die wohnung meiner eltern gehütet habe, die im urlaub waren.
die wohnung sieht chaotisch aus.
und sie kommen heute nach hause.
in ca. drei stunden.

ich müsste eigentlich schon längst putzen …………….

Schuhe

Ich hab mir neue Schuhe gekauft.
Eigentlich keine aussergewöhnliche Neuigkeit – schliesslich bin ich eine Frau. Aber diese Schuhe sind aussergewöhnlich. Für mich zumindest. Und das kam so:

Ich bin auf dem Weg zur Oper. Die Einladung kam vergangene Nacht kurz nach zehn. Ich hab mich gefreut. Doch dann die Frage aller Frauen: Was ziehe ich bloss an??? Langer enger Rock, die passende Bluse … aber welche Schuhe? Meine Auswahl ist da sehr begrenzt. Ausserdem trage ich normalerweise flache bequeme Schuhe: immer schön auf dem Boden bleiben und nicht rumeiern.

Als ich dann mit beiden Beinen mitten in einem Kompromiss stecke, führen mich dieselben an einem Schuhladen vorbei. Und da stehen sie: hochhackig, spitz wie Nachbars Lumpi und um 55% reduziert. Der Preis ist trotzdem noch einen zweiten Gedanken an den Kontostand wert. Eigentlich würde ich diesen Schuhen keinen zweiten Blick gönnen. Doch sie passen einfach so gut zum Rock und zur Bluse und zur Oper …

Also fasse ich den wahrscheinlich frauenweit einzigen Grund für Schuhkäufe (nämlich ein stimmiges Gesamtkunstwerk zu kreieren, in dem frau sich wohlfühlt –> beides übrigens hochgradig subjektiv) beim Schopfe, mir ein Herz und dann zur Kreditkarte. Heute Abend führen mich diese Schuhe in die Oper aus!

Ausführen ist übrigens genau das richtige Wort dafür. Gehen kann ich in den Schuhen nämlich nicht. Schlendern? Ja. Stolzieren? Ja. Rumeiern? Ja. Aber manchmal macht sowas ja auch Spass! Früher gab’s mal das Lied „Schlendern ist Luxus“ …

Ausserdem haben diese Schuhe noch einen kleinen aber feinen Vorteil: Meine Beine zeichnen sich durch die äusserst sparsame Verwendung von Zentimetern in der Vertikalen aus. Mit diesen Schuhen an den Füssen schaffe ich es endlich, „normal“ auf einem Stuhl zu sitzen. „Normal“ bedeutet in diesem Fall, dass meine Fersen dank der durchgestylten Verlängerung den Boden berühren und meine Beine nicht in der Luft baumeln.

Dazu fällt mir doch ganz spontan dieser reizende sms-Wechsel ein:

ich: ich warte am bahnsteig unten an der treppe auf dich
er:  sind die stufen zu hoch?
ich: ok – ich nehm die rolltreppe

Hab Spass und lass dich nicht ärgern!
Ulla   :o)

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